Vor allem für Neulinge im „Smart Home“-Dschungel kann es eine Herausforderung sein, sich für das passende System zu entscheiden. Wir stellen Dir die besten Smart-Home-Lösungen vor und verraten Dir ihre Vor- und Nachteile.

Bevor Du Dir ein Smart-Home-System zulegst, solltest Du dich über Möglichkeiten, Vor- und Nachteile verschiedener Lösungen informieren. Dazu ist es wichtig, herauszufinden, welchen Teil Deines Haushalts Du smart steuern möchtest, so kannst Du Licht und Heizung über das Smartphone bedienen, eine smarte Überwachungskamera, Alarmanlage, Tür- und Fenstersensoren und vieles mehr einrichten.

Komfortabel oder flexibel? Offene und geschlossene Systeme

Wer plant, sein Smart Home zu erweitern, sollte auf Kompatibilität achten. Überlege Dir vorher, ob Du Dich für ein geschlossenes oder ein offenes System entscheidest! Innerhalb von geschlossenen Systemen sind nur herstellereigene Produkte ohne Probleme nutzbar und nur Geräte mit demselben Funkstandard kombinierbar. Lösungen anderer Hersteller lassen sich zwar, sofern sie denselben Funkstandard nutzen, mit dem System vernetzen, allerdings besteht das Risiko, dass Verschlüsselungsfehler auftreten, die das Smart Home unsicher werden lassen.

Möchtest Du Geräte unterschiedlicher Funkstandards und Hersteller zusammen betreiben, sind offene Systeme wie Homee und Qivicon empfehlenswert. Mit ihnen bleibst Du flexibel. Für Einsteiger, die noch keine Erfahrung in Sachen Smart Home haben, lohnen sich Starterpakete, die die wichtigsten Komponenten bereits beinhalten und dann nach Belieben erweitert werden können.

die besten Smart-Home-Systeme

Licht steuern per Smartphone – Das Smart Home macht’s möglich.


Wichtige Begriffe für den Start ins Smart Home:

Gateway: Unter dem Begriff wird die Steuerzentrale verstanden, in der alle Signale zusammenlaufen und von wo aus alle Komponenten gesteuert werden. Das Gateway ist das Herzstück Deines Smart Home, denn nur mit der Schaltzentrale kannst Du smarte Komponenten verbinden.

Funk: Wie der Name schon verrät, werden bei smarten Funklösungen Komponenten gekoppelt, die per Funk kommunizieren. Die Installation benötigt keine Handwerksarbeiten.

Kabel: Eine smarte Kabellösung ist deutlich aufwendiger in der Installation als ein Funksystem. Hier werden die Kabel wie Stromleitungen unter dem Putz verlegt. Der Vorteil: Es ist weniger störanfällig als Funksysteme. Kabelgebundene Smart-Home-Lösungen eignen sich vor allem für Neubauten und bei Renovierungen, weil sie dann bereits im Vorfeld geplant und mit Möglichkeiten zur Nachrüstung ausgestattet werden können.

Powerline / dLAN: Wer nicht mühsam Kabel in den Wänden verlegen, aber kein reines Funksystem verwenden möchte, für den ist Powerline die richtige Option. Alles, was Du dafür brauchst, sind passende Steckdosenadapter, von denen Du einen mit dem Router verbindest, während Du PC oder smarte Geräte mit weiteren Powerline-Adaptern anschließt – auch in unterschiedlichen Räumen.


Geschlossene Smart-Home-Lösungen

Einige Anbieter geschlossener Systeme statten ihre Geräte mit mehreren Funkstandards aus. Der Unterschied zu einem offenen System besteht vor allem darin, dass Du bei einer geschlossenen Lösung auf die Kompatibilität achten musst und nicht ohne Weiteres Komponenten unterschiedlicher Systeme verbinden kannst.

Für Fritzbox-Besitzer: Praktische Grundausstattung zum AVM Smart Home System

Gute Nachrichten für alle Fritzbox-Nutzer: Mit einer aktuellen Fritzbox von AVM musst Du nicht erst mühsam nach einer Smart-Home-Lösung suchen, denn der Fritz-Router lässt sich auch als Gateway für Dein vernetztes Zuhause verwenden. Komponenten werden über die Fritzbox eingerichtet und danach über den PC oder die MyFRITZ!App gesteuert. Alle Smart-Home-Lösungen von AVM, dem Hersteller des Routers, sind mit der Fritzbox kompatibel. Als Funkstandard für Heizungsthermostate und Adapter, um Haushaltsgeräte smarter zu machen, dient das energiesparende DECT ULE. Für alle Fritz-Neulinge haben wir einen Leitfaden für die Einrichtung des AVM-Routers. Während mit einer Fritzbox bislang nur hauseigene Produkte ins Smart Home integriert werden konnten, ist mit dem Update auf FRITZ!OS 7 nun auch die Vernetzung mit „HAN-FUN“-Elementen möglich. Das Update ist bereits für die Fritzbox 7590, 7580, 7560 und 4040 verfügbar. Der Nachteil des Smart-Home-Systems von AVM: Bisher gibt es nur eine überschaubare Anzahl smarter Komponenten.


Bei HAN-FUN handelt es sich um einen Funkstandard, der unter anderem in Smart-Home-Lösungen der Deutschen Telekom zum Einsatz kommt.


Die besten Smart-Home-Lösungen

Fritzbox-Besitzer können ihren Router als Gateway nutzen.

Energiesparen mit Innogy und Devolo

Wem es in erster Linie um Energie und Klima geht, der kann Smart-Home-Lösungen von Innogy und Devoloin seine Auswahl einbeziehen. Beide Anbieter haben sich vor allem auf Heizkörperthermostate, Tür- und Fenstersensoren, Luftentfeuchter und WLAN-Steckdosen spezialisiert.

Innogy ist ein Stromanbieter, dessen Smart-Home-Komponenten auch unabhängig von einem Stromvertrag erhältlich sind. Die intelligenten Elemente lassen sich mit Amazon Echo verbinden und per Stimme steuern. Hilfreich: Sobald Fenster oder Haustür offenstehen, erhält das Heizkörperthermostat ein Signal, um die Energiezufuhr herunterzufahren oder zu stoppen. Dadurch sparst Du nicht nur Energie, sondern auch Geld.

Das Smart-Home-System von Devolo sorgt für Energieeinsparung. Außerdem zeichnet sich Devolo durch Nutzerfreundlichkeit aus, denn die Smart-Home-Elemente sind ebenso leicht zu installieren wie zu bedienen, wie das „Devolo Home Control Starter Paket 2.0“ inklusive Zentrale, Steckdose, und Tür- und Fensterkontakt beweist. Ein weiterer Vorteil: Devolo lässt auch Komponenten anderer Hersteller zu, vorausgesetzt der Funkstandard Z-Wave wird unterstützt.

Mehr Sicherheit im Smart Home mit Gigaset Elements

Für alle, die sich für Sicherheitstechnik interessieren, ist Gigaset eine interessante Wahl. Neben Festnetz-Telefonen, Smartphones und Tablets gehören smarte Alarmanlagen, Sensoren für Türen und Fenster, Bewegungsmelder und Überwachungskameras für innen und außen zum Portfolio. Gigaset bietet außerdem Starterpakete an, die sich vor allem für Neulinge eignen. Alle Elemente lassen sich leicht und ohne zusätzliches Werkzeug anschließen. Noch ein Vorteil: Gigaset ist ein deutscher Hersteller mit eigenen Servern, die den strengen deutschen Datenschutzrichtlinien unterliegen. Der Einstieg ins Gigaset-System gelingt mit dem Alarmanlagen-Kit inklusive Kamera.

die besten Smart-Home-Lösungen

Mehr Sicherheit im Smart Home dank Alarmanlagen und Überwachungskameras.

Haushaltsgeräte steuern mit Bosch Smart Home

Als einer der bekanntesten Hersteller für Haushaltsgeräte vertreibt Bosch auch smarte Versionen seiner Produkte. Wer alltägliche Geräte wie Waschmaschine, Geschirrspüler und Kaffeemaschine vernetzen möchte, bekommt hier eine große Auswahl. Ein Beispiel ist die HomeProfessional Waschmaschine FL Home Connect, die das Waschmittel automatisch dosiert, Programm-Empfehlungen gibt und sich per Push-Nachricht meldet, wenn der Waschvorgang beendet ist. Auch Innen- und Außenkameras, Rauchmelder, Saugroboter und Heizkörperthermostate gehören zum Repertoire. Darüber hinaus bietet Bosch einen hohen Sicherheitsstandard, denn Daten werden lokal gespeichert und nicht per Cloud. Übertragen werden die Informationen mit dem Funkstandard ZigBee. Und das nur, wenn der Nutzer sie freigibt. Smarte Bosch-Geräte lassen sich mit Amazon Echo verbinden und per Sprachsteuerung bedienen. Wer sich nicht für oder gegen Kabel oder Funk entscheiden möchte, kann zu einer dualen Lösung greifen:

die besten Smart-Home-Lösungen

Per App mit der Waschmaschine kommunizieren über Bosch Smart Home.

Leistungsstarkes System für anspruchsvolle Nutzer: HomeMatic IP

HomeMatic IP hat, anders als viele andere Smart-Home-Anbieter, nicht nur Funk-, sondern auch Kabelsysteme im Programm. Das ist vor allem für spätere Nachrüstungen sehr nützlich. Um Kabellösungen zu erweitern, muss der Putz im ärgerlichsten Fall aufgeklopft und neue Leitungen verlegt werden. Die Komponenten von HomeMatic IP lassen sich dagegen beliebig kombinieren und als Funk-Elemente in das Hybrid-System integrieren. HomeMatic IP bietet Heizkörperthermostate, Wandthermostate, Wandtaster, Tür- und Fensterkontakte, Schaltsteckdosen, Alarmsysteme und Bewegungsmelder. HomeMatic IP bietet Einsteiger-Pakete an, wie zum Beispiel das „Smart Home Starter Set Raumklima“.

Perfekt für Apple-Fans: Smart Home von D-Link

Anwender von Apple-Geräten, die ihren Apple TV, ihr iPhone und den HomePod ins Smart Home integrieren möchten, sind auf Produkte angewiesen, die das Apple HomeKit unterstützen. Nur Produkte mit entsprechendem Siegel sind mit Apple-Geräten kompatibel. Ein Hersteller, dessen smarte Steckdosen, Musikboxen, Kameras, Alarmanlagen, Wassersensoren, Rauchmelder und Co sich für das smarte Apple-Home eignen, ist D-Link. Zum Angebot gehört der Cloud-basierte Dienst „Mydlink“. Durch den virtuellen Speicher kannst Du überall auf der Welt auf Deine Daten zugreifen. Das ist zwar praktisch, andererseits birgt ein solcher Cloud-Dienst potenzielle Risiken, denn Daten werden im Internet gespeichert und können als Angriffsziel für Hacker interessant sein. An lokal gespeicherte Daten kommen Hacker hingegen deutlich schwieriger heran. Neue Komponenten des Systems lassen sich schnell und einfach per QR-Code installieren. D-Link-Produkte sind nicht ausschließlich auf Apple-Geräte ausgelegt, sondern können auch mit Amazon Echo und anderen Elementen verbunden werden, sofern sie den Funkstandard Z-Wave unterstützen. Per IFTTT können zusätzliche Funktionen und Szenen programmiert werden.

Offene Smart-Home-Lösungen

Die meisten Gateways unterstützen nur einen Funkstandard. Smart Home Lösungen mit unterschiedlichen Standards lassen sich deshalb nur schwer kombinieren. Komponenten unterschiedlicher Hersteller können Probleme verursachen, auch wenn sie denselben Funkstandard unterstützen. Abhilfe schaffen Steuerungszentralen für offene Systeme, wie Homee und Qivicon.

die besten Smart-Home-Lösungen

Homee ist eine offene Schaltzentrale für ZigBee-, EnOcean- und Z-Wave-Geräte.

Homee

Homee besteht aus vier aufeinander gestapelten Würfeln, die sich „Cubes“ nennen und jeweils einen anderen Funkstandard unterstützen. Der unterste Cube verarbeitet die Informationen und koordiniert die Kommunikation zwischen Smart-Home-Gerät und dem entsprechenden Würfel. Du kannst die smarten Legosteine unter anderem mit Alexa und dem Google Assistant verbinden. Wir erklären Dir in diesem Artikel, wie genau Homee funktioniert. Alle Daten werden lokal auf den Würfeln gespeichert und nicht in der Cloud. Für die Steuerung stehen Apps für iOS, Android und den PC zur Verfügung.

Qivicon

Die Qivicon Home Base ist ein unscheinbares Gerät, das an einen Router erinnert. Anders als Homee bietet Qivicon aber nicht nur das Gateway an, sondern auch Smart-Home-Produkte, wie Steckdosen, Tür- und Fenstersensoren, Lampen und Heizkörperthermostate. Das Unternehmen ist eine Allianz unterschiedlicher Hersteller von Smart-Home-Geräten. Das Ziel: herstellerunabhängige Smart-Home-Lösungen. Qivicon unterstützt unterschiedliche Funkstandards, wie HomeMatic, HomeMatic IP, ZigBee und DECT-ULE. Das einzige, was Du für die Inbetriebnahme brauchst, ist die Qivicon Home Base, die Steuerungseinheit. Alle anderen Smart-Home-Elemente kannst Du auch von anderen Herstellern kaufen. Alle Nutzerdaten werden auf den Servern der Deutschen Telekom in Deutschland gespeichert.

Welche Smart-Home-Lösungen sind die richtigen für Dich?

Bei der Wahl eines geeigneten Smart-Home-Systems sind in erster Linie Deine Bedürfnisse und Möglichkeiten von Bedeutung. Mieter können ohne Zustimmung des Vermieters zwar auf Kabellösungen zurückgreifen, dafür notwendige Wandarbeiten dürfen sie jedoch nicht in Eigenregie vornehmen. Eigenheimbesitzer hingegen können ihre vier Wände mit smarten Leitungen ausstatten und profitieren von den Vorteilen eines Kabelsystems. Für Mieter und Kurzentschlossene sind Funksysteme eine gute Lösung. Sie sind leicht zu installieren und benötigen keine aufwendigen Umbauarbeiten. Auch Powerline ist zu empfehlen. Vor allem für große Häuser und Wohnungen oder für solche mit dicken Wänden, in denen Funksignale schon einmal verloren gehen können.

Für Experimentierfreudige sind offene Systeme das Richtige. Hier spielt es keine Rolle, für welchen Hersteller Du Dich entscheidest. Du hast vielfältige Möglichkeiten, smarte Geräte zu vernetzen. Wenn Du jedoch „Plug&Play“ bevorzugst und Dich nicht erst mit Funkstandards beschäftigen möchtest, bist Du auf der sicheren Seite, wenn Du Dich für einen Hersteller entscheidest und ihm treu bleibst. Alle Komponenten einer Serie können ohne großen Aufwand hinzugefügt und ins System integriert werden. Für alle, die sich noch nicht für ein komplettes Smart-Home-System entscheiden, sondern die Technik einfach ein wenig ausprobieren möchten, eignen sich die Licht-Pakete von Philips Hue.

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