Sprachassistenten wie Alexa, Siri und der Google Assistant werden laut Bitkom stetig beliebter und immer mehr Geräte lassen sich auch mit der Stimme steuern. Experten stellen sogar in Aussicht, dass die altbekannte Fernbedienung ganz verschwinden und durch Sprachsteuerung ersetzt werden könnte.

Die Sprachsteuerung ist auf dem Vormarsch

Laut einer aktuellen Studie von Bitkom, dem Bundesverband für Informationswirtschaft und Telekommunikation, nutzen ungefähr 8,7 Millionen Menschen in Deutschland einen intelligenten Sprachassistenten wie Cortana oder Alexa. Das entspricht circa 13 Prozent der Bevölkerung. Diese Zahl ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil 2016 gerade einmal 5 Prozent der Befragten angaben, überhaupt schon etwas von digitalen Sprachassistenten gehört zu haben. „Wir erleben gerade den rasanten Aufstieg intelligenter Sprachassistenten”, kommentiert der Leiter für Digitale Transformation bei Bitkom, Dr. Christopher Meinecke. „In den nächsten Jahren werden wir immer mehr Geräte wie selbstverständlich mit unserer Stimme steuern. Hier entsteht gerade ein neuer Milliardenmarkt.“

Das erkennen wohl auch die Hersteller. Gigant Amazon verkündete im Rahmen der IFA 2018 in Berlin, dass zu Beginn des Jahres nur 4.000 Geräte mit der hauseigenen Sprachassistenz kompatibel waren. Jetzt – Stand September 2018 – seien es bereits über 20.000 Geräte. Dieser Aufwärtstrend zeige sich auch bei der Zahl der teilnehmenden Hersteller. Während im Januar nur 1.200 Unternehmen Produkte entwickelten, die mit dem Amazon Echo arbeiten können, sind es nun schon 3.500.

Fernbedienung adieu?

Mit zunehmender Popularität der Sprachsteuerung auf der einen Seite sinkt der Bedarf für herkömmliche Steuerungsarten der Geräte auf der anderen. Der Hersteller Logitech berichtet beispielsweise von sinkenden Verkaufszahlen bei Infrarot-Fernbedienungen. Dafür würde die Nachfrage nach Smart Home Hubs stetig steigen.

Mann sitzt mit Pizza und Fernbedienung auf dem Sofa: Löst die Sprachsteuerung herkömmliche Bedienelemente ab?

Wird es unsere liebgewonnene Fernbedienung bald nicht mehr geben?

Vor allem jüngere Menschen zwischen 14 und 29 Jahren wünschen sich intuitivere Bedienoptionen für elektronische Geräte wie den heimischen Fernseher. Sprachassistenten stehen dabei hoch im Kurs. Aber auch eine Bedienung per Smartphone oder Tablet können sich viele Nutzer vorstellen, wie eine zweite Studie von Bitkom bestätigt.

Vorteile der Sprachsteuerung

Gerade wegen des wachsenden Einsatzes von Smart-Home-Technologie, bei der die Vernetzung von Geräten im Mittelpunkt steht, wird die Nutzung von Sprachassistenten für Anwender immer interessanter. Mit Alexa, Siri und Co. kannst Du Dein smartes Zuhause immer zentraler steuern. Das heißt, dass immer weniger Steuerelemente nötig werden, um eine wachsende Anzahl elektronischer Geräte zu bedienen. Das ist nicht nur zeitsparend, sondern auch energieeffizient. Der altbekannte Kampf um die Fernbedienung wird mit dieser Lösung auch hinfällig.

Für eine endgültige Umstellung auf eine Steuerung per Stimme ist es wichtig, dass ältere Geräte mit den Smart Home Hubs und den Smart Speakern kompatibel sind. Mit zunehmender Vernetzung muss es auch passende Anwendungsangebote geben. Ein positives Beispiel ist Amazons Streaming-Plattform Amazon Prime Video, die  systemintern von Nutzern problemlos per Sprachsteuerung bedienen können. Langfristig muss die Steuerung aber auch systemübergreifend funktionieren. Niemand möchte fünf verschiedene Sprachassistenten nutzen, um seine elektronischen Geräte zu bedienen.

Den Fernseher und andere Unterhaltungselektronik per Sprachsteuerung bedienen: Ein modernes Wohnzimmer mit Smart TV

Die meisten Smart TVs kann man bereits problemlos per Sprachbefehl steuern.

Sorge um Datenschutz könnte die Fernbedienung retten

Die Hersteller selbst halten eine komplette Verdrängung der Fernbedienung trotz allem für unwahrscheinlich. Die Datensicherheit, ein vieldiskutiertes Thema im Smart-Home-Bereich, ist ein wichtiger Grund dafür. Bestimmte Gruppen würden aus Sorge immer den Einsatz der smarten Sprachsteuerung verweigern, vermutet beispielsweise Michael Langbehn, Pressesprecher des Elektronikherstellers Panasonic.

Der Chaos Computer Club, die größte Hackervereinigung Europas, äußerte zudem Bedenken bezüglich der Nachhaltigkeit. Aufgrund der steigenden Nachfrage werde viel minderwertige Ware produziert, so Sprecher Linus Neumann. Diese hat zum einen keine lange Funktionsdauer, zum anderen würden die Hersteller sie auch nicht lange genug mit Sicherheitsupdates versorgen. Eine weitere Nutzung gehe dementsprechend auf Kosten von Nachhaltigkeit und Datensicherheit. Die smarte Steuerung mit der Stimme ist also zwar auf dem Vormarsch, Fans der Fernbedienung können aber ebenfalls aufatmen: Bisher ist die Steuerung per Knopfdruck nicht wegzudenken.

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