Die traditionelle SIM-Karte aus Plastik bekommt zunehmend Konkurrenz von der embedded SIM, kurz eSIM genannt. Obwohl der Weg für die fest verbaute SIM-Karte noch nicht ganz frei ist, gibt es in Deutschland mittlerweile zwei Mobilfunkanbieter, die den 5 x 6 Millimeter großen eSIM-Chip bereits im Angebot haben. Welche Vor- und Nachteile die fest verbaute SIM-Karte hat, erfährst Du hier.

Die eSIM ist Fluch und Segen zugleich: Während Netzbetreiber die fest verbaute SIM-Karte fürchten und sich in den USA deshalb schon die Behörden eingeschaltet haben, profitieren die Verbraucher von mehr Flexibilität und vereinfachtem Anbieterwechsel – zumindest in der Theorie. Ein halbes Jahr nachdem Provider und Hersteller aus der Mobilfunkbranche unter der Federführung der GSMA um die Umsetzung eines universellen eSIM-Standards debattierten, können Kunden in Deutschland jetzt unter Einschränkungen Geräte mit dem integrierten Chip nutzen.

In einer Pressemitteilung der GSMA vom 21. April 2018 heißt es übersetzt:

„Die GSMA unterstützt weltweit führende Mobilfunkbetreiber, Gerätehersteller und SIM-Hersteller bei der Entwicklung eines universellen Standards für eSIM, der weltweit eingesetzt wird. […] Die Entwicklung der neuesten Version der Spezifikation ist bis zum Abschluss einer Untersuchung durch das Justizministerium der Vereinigten Staaten ausgesetzt. Die GSMA arbeitet in diesem Bereich eng mit dem Justizministerium zusammen.“

eSIM: Multi-SIM in spe

Die Verhandlungen rund um die Chip-SIM sind also noch nicht abgeschlossen; wer aktuell einen eSIM-Vertrag bei der Deutschen Telekom für die Apple Watch abschließt, kommt nicht in den Genuss aller Vorteile: Die eSIM der Telekom kommt auf Anfrage von golem.de nicht mit Net-Lock, allerdings ist es bis dato nicht möglich, mehrere Profile für verschiedene Provider in einem Land parallel zu nutzen. Aus technischer Sicht ist die eSIM aber durchaus Duo- oder sogar Quatro-SIM-fähig. Diese Funktion gehört wohl noch zu den Streitpunkten in der Debatte.

Vorteile

  • Ein Provider-Wechsel wird mit einer eSIM unkomplizierter, da keine neue SIM-Karte bestellt werden muss – die integrierte eSIM wird einfach umprogrammiert
  • Der Chip kann für mehrere Profile gleichzeitig genutzt werden; mit verschiedenen Rufnummern und separater Mobilfunkrechnung
  • Auf Reisen kann ein sogenannter Travel-SIM-Dienst genutzt werden, der automatisch den günstigsten Auslands-Tarif wählt – Du musst also vor Ort keine SIM-Karte mehr kaufen. Achtung: Diese eSIM-Spezifikation ist noch nicht für alle Geräte und Verträge verfügbar. Die Apple Watch von Vodafone funktioniert nur im deutschen Vodafone-Sendegebiet.
  • Neue Anwendungsmöglichkeiten für Smart Home und Internet of Things – smarte Geräte können einfacher vernetzt und verwaltet werden

Nachteile

  • Ein SIM-Karten-Wechsel ist nicht mehr möglich; Möchtest Du etwa eine bestehende Rufnummer für ein anderes Gerät nutzen, musst Du einen Code per Mail anfordern, mit dem die Daten von Profil zu Profil übertragen werden – das kann einige Minuten in Anspruch nehmen

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Die Entwicklung der SIM-Karte im Überblick.

Klein aber oho: Die eSIM bietet für den Nutzer viele Vorteile.

Mobilfunkmarkt noch nicht bereit für eSIM

Das bisherige Vertragsmodell der Netzbetreiber ist nicht für die fest verbaute SIM konzipiert: Mobilfunkkunden sind damit deutlich flexibler – die Kundenbindung wird folglich schwieriger. Kein Wunder also, dass es von den Mobilfunkbetreibern Gegenwind gibt.

Außerdem herrscht bisher ein Mangel an kompatiblen Mobilfunk-Geräten. Das Google Pixel 2 XL ist eines der einzigen eSIM-Smartphones auf dem Markt und kann aktuell nur aus den USA nach Deutschland importiert werden.

Bei Wearables und Tablets sieht es hingegen schon rosiger aus: Hier hat die eSIM bereits 2015 Einzug gehalten. Die Smartwatch Samsung Gear S2 war Vorreiter in puncto SIM-Chip und die Apple Watch 3 LTE sowie Huaweis Watch 2 folgten kurz darauf. Das iPad Air 2, iPad Mini 3 und 4 sowie das iPad Pro kommen mit den eingebetteten Chips, ebenso wie Amazons Kindle Fire-Tablet. Hier wird der Einfluss von Smart Home und IoT deutlich, so wird ein Tablet gerne zur Steuerung vernetzter Komponenten in einem Smart Home verwendet.

Fest steht: Der eSIM gehört die Zukunft; nur wann sie global zum Einsatz kommt und mit welchen Spezifikationen bleibt abzuwarten.

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